Ein Leben von Gipfel zu Gipfel

Das ist die Geschichte von Sònia, einer Kinderphysiotherapeutin, und Eloi, einem Maschinenbauingenieur. Beide sind leidenschaftliche Radfahrer und Outdoor-Enthusiasten, die beschlossen haben, ihr Leben komplett umzukrempeln. Sie verkauften all ihre Besitztümer, um sich auf ihre Fahrräder zu schwingen und lange Strecken über viele Grenzen hinweg zu befahren. Sie durchquerten die Anden in Lateinamerika und setzten ihre Reise fort, indem sie von Spanien, ihrer Heimat, durch Andalusien bis nach Marokko fuhren. Doch das Ziel ihrer Reise ist noch lange nicht erreicht...

Lesedauer: 7 min

Geschrieben von Sònia Colomo



Sònia, eine Kinderphysiotherapeutin, und Eloi, ein Maschinenbauingenieur, haben beide eine Leidenschaft für die Natur und verschiedene Sportarten, die sie seit ihrer Kindheit begleitet. Im Laufe der Jahre sind Radfahren und Bikepacking zu festen Bestandteilen ihres Lebens geworden. Wochenendabenteuer und Ultra-Radrennen lösten in ihnen etwas aus, was sie nicht mehr ignorieren konnten.



Beide arbeiteten in Vollzeit und fanden kaum Zeit für die Aktivitäten, die ihnen am meisten Freude bereiteten. Mit dem Ausbruch der Pandemie stellte sich eine entscheidende Frage: Sollten sie wirklich alles aufgeben, mit allen damit verbundenen Konsequenzen, um mehr Zeit in der Natur verbringen zu können? Letztendlich lautete die Antwort darauf: Ja. Es war eine schwierige Entscheidung. Sie schätzten beide ihre Arbeit, liebten ihren Wohnort und führten insgesamt ein glückliches Leben. Ihre Entscheidung war keine Flucht vor irgendetwas; sie wollten vielmehr mehr vom Leben erfahren. Da es nicht viel zu verkaufen gab - außer ihrem Auto, ein paar Fahrrädern und ihrer Kleidung - verkauften sie all dies, kündigten ihre Jobs und flogen mit zwei Mountainbikes und einigen Taschen voller schlichter Kleidung sowie einer Mischung aus Aufregung und Angst nach San Diego.



Sie träumten davon, einige der besten Mountainbike-Strecken der Welt zu erkunden und dabei neue Kulturen und Länder kennenzulernen. Daher entschlossen sie sich, ihre Reise in Lateinamerika zu beginnen, wo sie wussten, dass sie der größte Kontrast zu ihrem bisherigen Leben erwarten würde. Seit diesem mutigen Schritt ins Unbekannte haben ihre Fahrräder und Beine sie zurück nach Spanien, ihrem Heimatland, gebracht.



Ihr nächstes Abenteuer begann am 8. April 2023 in Katalonien. Es führte sie durch Andalusien und weiter nach Marokko, wo sie den Plan hatten, die höchsten Gipfel der Region zu erklimmen. Am 6. Juni 2023 erreichte das Paar den Toubkal, mit 4.175 Metern der höchste Berg Nordafrikas und der arabischen Welt.





Wie bereitet man sich auf eine Langstreckenreise wie diese vor?

Mit unserer Erfahrung aus früheren Abenteuern haben wir nur das Nötigsten eingepackt und beschlossen , nichts mitzunehmen, was nur für den Fall der Fälle gedacht war. Das bedeutet nicht viel Luxus, aber Freiheit, auf Mountainbike-Routen zu fahren. Wir waren beide schon vor der Reise Radfahrer, wir waren stark, aber bei einer solchen Reise geht es nicht um Stärke. Man kann sich nicht wirklich auf das vorbereiten, was einen erwartet – man lernt viel auf dem Weg an sich. Einige Dinge, die ich für wichtig halte, sind die Fähigkeit, sich anzupassen und Plände zu ändern und das Wissen, dass es hart sein wird und man bereit sein muss, körperlich und geistig zu leiden. Während der Reise gibt es natürlich noch viel mehr vorzubereiten und zu planen: Wo bekomme ich Wasser, wann finde ich Essen, wie viele Kilometer kann ich pro Tag fahren, wie ist die Wettervorhersage, und so weiter. Und diese Art der Planung wird immer besser, je mehr man fährt und je besser man sich selbst kennt.



Was waren die größten Herausforderungen, denen ihr euch während der Reise stellen musstet?

Es gibt viele Herausforderungen während einer solchen Reise, einige davon sind externe Herausforderungen und andere sind intern. Es gab viele Tage, an denen uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und wir uns gefragt haben “was zum Teufel machen wir hier?”. In anderen Fällen haben die Herausforderungen mit einem inneren Kampf mit sich selbst zu tun: Wenn man seine Familie und Freunde oder sogar seinen Job vermisst, wenn man einen schlechten Tag hat und alles, was man will, eine heiße Dusche ist, obwohl man schon weiß, dass man sie nicht bekommen wird. Die größte Herausforderung besteht darin, sich an all das anzupassen und weiterzumachen, weil es genau das ist, was man tun und wo man sein möchte. Man muss akzeptieren, dass das Abenteuer mit guten und schlechten Momenten einhergeht.




Was gefällt euch am meisten an langen Distanzen und dem Ausdauer-Radsport?

Die Antwort ist ganz einfach... viel fahren! Ich liebe es, auf dem Rad zu sitzen, es ist wie eine bewegte Meditation. Außerdem ist der Fahrrhythmus auf einer Radreise genau der Richtige, um ganz in die Natur und Kultur des Ortes einzutauchen. Es ist nicht so langsam wie zu Fuß, sodass man in kurzer Zeit eine große Strecke zurücklegen kann, aber auch nicht so schnell wie mit dem Auto, sodass man Zeit hat, Teil der Landschaft und der Kultur zu sein.



Wie bereitet man sich auf eine Langstreckenfahrt vor?

Das ist eine schwierige Frage, es hängt vor allem von deinen Zielen ab. Aber für mich gibt es ein paar Grundlagen.

Als Erstes muss man sich auf dem Rad wohlfühlen. Ich beobachte die Position auf dem Rad und probiere die Kleidung an, die ichtragen möchte. Wenn man sich auf dem Rad nicht wohlfühlt, ist es egal, wie stark oder schnell man ist, man wird leiden und wahrscheinlich scheitern. Deshalb ist es für mich ein Muss, dass ich mich wohlfühle. Und dann gibt es natürlich noch eine Menge anderer Dinge zu beachten.

Für die Ultra-Radrennen, an denen ich früher teilgenommen habe, habe ich gezielt trainiert. Ich habe mich körperlich, aber auch mental vorbereitet, was noch wichtiger ist, als nur ein paar starke Beine zu haben. In diesem Prozess habe ich viel über mich selbst gelernt, und sich selbst zu kennen ist auf einer Langstreckenfahrt von großer Bedeutung. Vor allem auf einer langfristigen Bikepacking-Reise. Bei einer Langstreckenfahrt verlässt man oft seine Komfortzone, also muss man darauf vorbereitet sein, es akzeptieren und sich an jede Situation anpassen.




Welche Ratschläge würdest du jemandem geben, der mit dem Langstreckenfahren beginnen möchte? Und welche "Geheimtipps" hast du auf deinen bisherigen Abenteuern gelernt?

Mein erster Ratschlag wäre, entspannt zu beginnen, sodass du den Prozess genießen kannst. Fahre längere Strecken nur dann, wenn es dir tatsächlich Spaß macht. Falls Langstreckenfahren aus irgendeinem Grund nicht dein Fall ist, entscheide dich einfach für kürzere Strecken. Das ist völlig in Ordnung, denn das Hauptziel beim Radfahren sollte immer der Spaß sein.

Auf meinen Abenteuern habe ich gelernt, mich anzupassen, zu planen und dennoch nicht starr an meinen Plänen festzuhalten. Es ist kein Geheimtipp, sondern eine allgemeingültige Wahrheit, dass man flexibel genug sein muss, um sich an alle erdenklichen Situationen anzupassen, die einem auf der Tour begegnen können, sei es nun positiv oder negativ. Du musst dir bewusst sein, dass viele Dinge außerhalb deiner Kontrolle liegen und du wenig daran ändern kannst. Aber du hast die Macht, die Art und Weise zu ändern, wie du diese Situationen wahrnimmst und darauf reagierst. Abenteuer bringen viele Tage voller Glück, aber auch viele Tage der Herausforderungen mit sich. Wenn man sich an einem Tiefpunkt befindet, erscheinen alle Probleme größer, als sie in Wirklichkeit sind. Wenn man jedoch aus diesem Loch herausklettert und stetig weiter nach oben steigt, wird sich die Perspektive definitiv verändern. Mein persönlicher Trick in schwierigen Situationen ist, dass ich mir drei Fragen stelle: Bin ich verletzt oder krank? Nein. Habe ich genug zu essen und zu trinken? Ja. Würde ich die Situation morgen anders sehen? Wahrscheinlich ja. Okay, dann gönne dir einfach eine Pause. Du bist müde. Morgen ist ein neuer Tag und mit hoher Wahrscheinlichkeit ein besserer.



Was nimmt man für eine solche Reise mit?

Leichtes Gepäck ist der Schlüssel für solche Reisen. Wir nehmen nicht viele Dinge mit, nur das Nötigste: 1 Daunenjacke, 1 Regenjacke, 1 Pullover, 2 Kurzarm-Shirts, 1 Langarm-Shirt, 2 Trägerhosen, 1 Regenhose, 1 Tights, 3 Unterhosen, 3 Paar Socken, 2 Paar Handschuhe, 2 Stirnbänder, 2 Halswärmer, 1 lange Hose, ein Paar Schuhe und Flip-Flops; ein Zelt, ein Schlafsack, eine Luftmatratze und ein aufblasbares Kissen, einen Bezug, ein kleines Handtuch, Zahnbürste und -pasta und eine Menstruationstasse; ein Gaskocher und ein Topf mit zwei Schüsseln, zwei Tassen sowie eine Gabel, ein Messer und ein Löffel; Kamera, Drohne und einige externe Batterien. Das ist alles.



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